Flutkatastrophe in Pakistan: Meteorologen fahnden nach den Ursachen
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In Pakistan sind 20 Millionen Menschen von einer gigantischen Naturkatastrophe betroffen. Ungewöhnlich starker Monsunregen hat die großen Flüsse über die Ufer treten lassen, ein Fünftel des Landes ist überflutet.
Die obige Satellitenaufnahme zeigt den Fluss Indus in Pakistan, etwa 300 Kilometer südlich von Islamabad, zur Regenzeit am 1. August 2009. Rechts eine Aufnahme genau ein Jahr später (Foto: NASA)
„Monsunregen führt in Pakistan jedes Jahr zu verheerenden Überschwemmungen“, sagte Thomas Sävert von der Meteomedia Unwetterzentrale im Gespräch mit wetter.info. Doch dieses Jahr ist alles viel schlimmer. Der Meteorologe erklärt, welche Wetterphänomene dafür verantwortlich sein könnten.
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„Starke tropische Regengüsse sind im Sommer in diesem Gebiet eigentlich etwas ganz Normales“, sagte Sävert. Regelmäßig gebe es in Pakistan, aber auch in Indien und anderen südostasiatischen Ländern, in der Regenzeit extrem starke Niederschläge. Im Winter herrsche dagegen meist Trockenheit. „In weiten Teilen fällt dann monatelang überhaupt kein Regen“, so der Meteorologe.
Gewaltige Regenmengen
Doch von Juni bis September lenkt eine südwestliche Strömung schwül-heiße Luft gegen die Gebirgsmassive Hindukusch, Karakorum und Himalaya im Norden Pakistans und Indiens. Die Wolken steigen dann in höhere, kühlere Schichten auf. „Je kälter die Luft, desto weniger Feuchtigkeit kann sie speichern. In der Folge fängt es kräftig an zu regnen“, so der Meteorologe. Die Niederschlagsmengen, die dann zusammenkommen, sind gewaltig: „Der nasseste Ort der Welt, Cherrapunjee, liegt im indischen Monsungebiet.“
Einfluss besonderer Wetterphänomene?
Es werde viel darüber spekuliert ob andere Wetterphänomene, die dieses Jahr zu beobachten sind, in Zusammenhang mit dem extremen Monsunregen in Pakistan stehen. Immer wieder ist von „La Niña“ die Rede, einem Ereignis, das regelmäßig im Anschluss an das Phänomen „El Niño“ auftritt. Beide haben gegenteilige Auswirkungen auf die Wassertemperatur im Pazifik und auf Luftströmungen – und damit auch auf das Wetter.
„El Niño“ hatte vermutlich unter anderem den Monsun im letzten Jahr in Indien deutlich schwächer ausfallen lassen. „Ein Zusammenhang mit der Katastrophe in Pakistan ist aber nicht ausreichend erforscht und kann als Erklärung für den viel stärkeren Regen noch nicht herhalten“, sagte Sävert.
Große Hitze mögliche Ursache
Der Unwetterexperte sieht dagegen zwei andere mögliche Ursachen: Im April und Mai, kurz vor Beginn der Regenzeit, steht die Sonne über Teilen Indiens und Pakistans schon steil am Himmel und sorgt für große Hitze: „Temperaturen von 50 Grad im Schatten sind dann keine Seltenheit.“ Die heiße Festlandsluft steigt dann schnell auf, und darunter entsteht ein sogenanntes Hitzetief. Da Unterschiede im Luftdruck bestrebt sind, sich auszugleichen, setzt eine Strömung von Hochruckgebieten über dem Äquator in die Tiefdruckzone ein.
„Dieses Hitzetief war dieses Jahr besonders stark“, erklärte Sävert. Dadurch hatte sich auch die Anströmung vom Äquator verstärkt. So sei auch mehr Regen in kurzer Zeit nach Pakistan gelangt. Außerdem ist das Wasser in Teilen des Indischen Ozeans 2010 wärmer als im langjährigen Mittel. Das hat die Strömung noch heißer und feuchter gemacht.
Keine Entwarnung bis zum September
Bis zum September besteht in Pakistan immer wieder die Gefahr von extremen, schauerartig verstärkten Regenfällen. „50 bis 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in nur einer Stunde sind dann keine Seltenheit“, so Sävert. Am Wochenende werde sich die Situation etwas beruhigen. Der pakistanische Wetterdienst rechnet dann nicht mit kräftigem Regen. „Aber schon im Laufe der nächsten Woche könnte es schon wieder schlimmer werden“, befürchtet Sävert.
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